Viele Menschen stellen fest, dass es ab 40 oder 50 Jahren schwieriger wird, schlank zu bleiben. Sie nehmen leichter an Gewicht zu, verlieren Muskelmasse oder stellen fest, dass die Ernährungsweise, die sie in jüngeren Jahren hatten, nicht mehr so gut funktioniert wie früher.
Die übliche Erklärung lautet: „Mein Stoffwechsel hat sich verlangsamt.“
Bahnbrechende Forschungsergebnisse haben jedoch gezeigt, dass dies nicht stimmt – zumindest verlangsamt sich der Stoffwechsel mit zunehmendem Alter nicht so, wie die meisten Menschen annehmen.

Eine der größten jemals durchgeführten Studien zum menschlichen Energieverbrauch wurde 2021 in der renommierten Fachzeitschrift Science veröffentlicht.
Die wichtigste Erkenntnis war, dass der menschliche Stoffwechsel von etwa 20 bis 60 Jahren bemerkenswert stabil bleibt. Ein messbarer Rückgang, der auf den chronologischen Alterungsprozess zurückzuführen ist, beginnt typischerweise erst nach dem 60. Lebensjahr – ein bis zwei Jahrzehnte später, als die meisten Menschen annehmen.
Das heißt nicht, dass die Veränderungen, die Menschen nach dem 40. Lebensjahr erleben, nicht real sind. Die Muskelmasse kann abnehmen, der Körperfettanteil kann zunehmen und der tägliche Kalorienverbrauch kann sinken. Die entscheidende Frage ist: Warum?
Und diese Unterscheidung ist ermutigend, denn viele der beteiligten Faktoren liegen noch immer in Ihrer Hand.
In diesem Artikel werden wir uns genauer ansehen, was die Forschung wirklich über den Stoffwechsel im Alter aussagt, warum die Gewichtszunahme nach dem 40. Lebensjahr so oft dem falschen Übeltäter angelastet wird, was sich nach dem 60. Lebensjahr tatsächlich verändert und ob der Stoffwechsel bei Männern und Frauen unterschiedlich funktioniert.
Das Wichtigste zum Stoffwechsel im Alter
- Der Stoffwechsel scheint sich nicht einfach zu verlangsamen, nur weil man 40 oder 50 Jahre alt wird.
- Der Energieverbrauch bleibt von etwa 20 bis 60 Jahren bemerkenswert stabil.
- Weniger körperliche Aktivität und Muskelabbau können dennoch dazu führen, dass täglich weniger Kalorien verbrannt werden.
- Ab etwa 60 Jahren setzt ein weiterer altersbedingter Rückgang des Energieverbrauchs ein. Der Erhalt der Muskelmasse und eine regelmäßige körperliche Aktivität können dazu beitragen, den Teil des Abbaus zu minimieren, den man selbst beeinflussen kann.
Was verstehen wir eigentlich unter „Stoffwechsel“?
Wenn von einem „schnellen“ oder „langsamen“ Stoffwechsel die Rede ist, geht es meist um den Kalorienverbrauch. Wissenschaftler beschreiben dies oft anhand des Energieverbrauchs. Dieser setzt sich im Wesentlichen aus zwei Komponenten zusammen:
Der Ruheumsatz (RMR) ist die Energiemenge, die Ihr Körper im Ruhezustand benötigt, um Sie am Leben zu erhalten und Ihre Funktionen aufrechtzuerhalten.
Der Gesamtenergieverbrauch pro Tag (TDEE) umfasst den Ruheumsatz sowie drei weitere Kalorienverbrauchsquellen:
- der thermische Effekt von Nahrungsmitteln,
- körperliche Aktivität außerhalb des Trainings,
- gezieltes Training.
Der Ruheumsatz ist der größte Faktor und macht typischerweise etwa 60 bis 70 % des gesamten täglichen Energieverbrauchs aus. Dennoch kann körperliche Aktivität einen enormen Unterschied darin ausmachen, wie viele Kalorien zwei Personen pro Tag verbrennen.
Diese Unterscheidung wird wichtig, wenn wir über das Altern sprechen. Verbrennt jemand mit 50 Jahren weniger Kalorien als mit 25, müssen wir uns fragen, ob sein Stoffwechsel altersbedingt tatsächlich langsamer geworden ist – oder ob sich seine Muskelmasse, sein Aktivitätsniveau, sein Körpergewicht oder sein Lebensstil verändert haben. Das ist nicht dasselbe.
Warum diese Frage so schwer zu erforschen ist
Angesichts der Häufigkeit, mit der wir von einem sich im Alter verlangsamenden Stoffwechsel hören, könnte man annehmen, dass Wissenschaftler diesen Prozess seit Jahrzehnten verstehen. Überraschenderweise bestehen jedoch erhebliche Wissenslücken.
Ein Problem besteht darin, dass viele große Studien lediglich den Ruheumsatz gemessen haben. Dieser ist jedoch nur ein Teil des gesamten täglichen Energieverbrauchs.
Ein weiteres Problem besteht darin, dass die genaue Messung des Kalorienverbrauchs bei Menschen, die ihrem normalen Alltag nachgehen, technisch schwierig ist.
Und das Altern verkompliziert die Sache noch zusätzlich. Mit zunehmendem Alter können sich mehrere Faktoren gleichzeitig verändern:
- Körpergröße
- Muskelmasse und andere fettfreie Masse
- Körperliche Aktivität
- Körperfett
- Die Stoffwechselaktivität der Organe des Körpers
Sinkt der Energieverbrauch, müssen Forscher daher herausfinden, ob die Verlangsamung des Stoffwechsels auf den Alterungsprozess selbst zurückzuführen ist oder ob der Rückgang durch eine oder mehrere dieser anderen Veränderungen erklärt wird. Genau das machte diese Studie so interessant.
Was die große Studie zu Stoffwechsel und Alterung untersucht hat
Eine internationale Forschergruppe analysierte einen der größten jemals zusammengestellten Datensätze zum menschlichen Energieverbrauch.
Die Daten stammen von 6.421 Personen aus 29 Ländern im Alter von acht Tagen bis 95 Jahren. 64 % der Teilnehmer waren Frauen, 36 % Männer.
Für alle Probanden lagen Daten zum gesamten täglichen Energieverbrauch vor, und für mehr als 2.000 von ihnen lagen Daten zum Ruheumsatz vor.
Eine der Stärken der Studie war die Methode zur Messung des Energieverbrauchs: doppelt markiertes Wasser. Diese Technik ermöglicht es Wissenschaftlern, den Energieverbrauch von Menschen im Alltag zu schätzen, anstatt sie in einem Labor zu halten.
Das ist wichtig, da die Kalorienangaben von Fitness-Trackern, Cardiogeräten und Online-Rechnern nur Schätzwerte sind. Doppelt markiertes Wasser bietet Forschern eine deutlich präzisere Methode, den Energieverbrauch im Alltag zu untersuchen.
Der große Datensatz erlaubte es den Wissenschaftlern außerdem, Unterschiede in der Körpergröße und der fettfreien Masse zu berücksichtigen, um die Auswirkungen von Alter und Geschlecht besser isolieren zu können.
Wie sich der Stoffwechsel im Laufe des Lebens verändert
Die Forscher identifizierten vier große Phasen des Energieverbrauchs im Laufe des menschlichen Lebens.
1. Säuglingsalter: Der Energieverbrauch steigt extrem schnell an. Im Verhältnis zur Körpergröße ist der Stoffwechsel im ersten Lebensjahr außergewöhnlich hoch.
2. Kindheit und Jugend: Der Gesamtenergieverbrauch steigt mit dem Wachstum des Körpers weiter an, der größenbereinigte Verbrauch sinkt jedoch allmählich auf das Niveau von Erwachsenen.
3. Alter zwischen 20 und 60 Jahren: Der Energieverbrauch bleibt bemerkenswert stabil.
4. Ab etwa 60 Jahren: Der Gesamtenergieverbrauch und der Ruheenergieverbrauch beginnen zu sinken.
Für Menschen, die bisher dachten, der Stoffwechsel verlangsame sich ab 40 oder spätestens ab 50, ist die dritte Phase die überraschendste Erkenntnis dieser Studie.
Ihr Stoffwechsel ist von 20 bis 60 Jahren überraschend stabil
Eine der Erkenntnisse, die die größte Aufmerksamkeit erregte, war, dass der gesamte tägliche Energieverbrauch und der Ruheumsatz von etwa dem 20. bis zum 60. Lebensjahr relativ stabil waren.
Dies widerspricht direkt einer der gängigsten Annahmen über Alterung und Stoffwechsel.
Sie haben wahrscheinlich schon einmal eine dieser Aussagen gehört:
- „Der Stoffwechsel kann sich sogar schon mit 30 verlangsamen.“
- „Der Stoffwechsel verlangsamt sich nach dem 40. Lebensjahr.“
- „Ab 50 kann man nicht mehr so essen wie früher.“
- „Von jetzt an geht es nur noch bergab.“
Diese Studie fand jedoch keine Hinweise darauf, dass sich der Stoffwechsel im mittleren Alter automatisch verlangsamt, nur weil ein weiterer Geburtstag vergangen ist.
Es gab jedoch eine wichtige Einschränkung. Die Forscher berücksichtigten Faktoren wie Körpergröße und fettfreie Masse. Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch mit 50 Jahren die gleiche Anzahl an Kalorien verbrennt wie mit 25.
Wenn ein Mensch im Alter von 30, 40 oder 50 Jahren einen langsameren Stoffwechsel hat (weniger Kalorien verbrennt), liegt das daran, dass er Muskelmasse verloren hat und weniger aktiv ist als in jüngeren Jahren.
Der entscheidende Punkt ist, dass das chronologische Altern selbst den Energieverbrauch zwischen dem 20. und 60. Lebensjahr offenbar nicht unabhängig unterdrückt, wie die meisten Menschen annehmen.
Das wirft eine naheliegende Frage auf: Wenn der Stoffwechsel relativ stabil bleibt, warum fällt es dann so vielen Menschen nach dem 40. Lebensjahr schwerer, schlank zu bleiben?
Warum Abnehmen nach 40 oft schwieriger wird
Wenn jemand feststellt, dass das Abnehmen nach dem 40. Lebensjahr schwieriger ist, ist diese Erfahrung real. Die Erklärung dafür ist oft falsch.
Viele Menschen verlieren im mittleren Alter Muskelmasse und nehmen an Körperfett zu. Doch wenn dies geschieht, ist es leicht, die Folge mit der Ursache zu verwechseln.
Jemand bemerkt, dass er an Gewicht zugenommen hat, sein Taillenumfang größer geworden ist und er nicht mehr so muskulös aussieht wie in seinen 20ern oder 30ern.
Die naheliegende Schlussfolgerung ist: „Mein Stoffwechsel hat sich verlangsamt.“ Aber es könnten sich noch einige andere Dinge verändert haben.
Menschen werden im Allgemeinen mit zunehmendem Alter körperlich weniger aktiv. Sie verbringen möglicherweise mehr Zeit sitzend bei der Arbeit, haben weniger körperlich aktive Hobbys, gehen seltener spazieren oder hören auf, Sport zu treiben.
Überlegen Sie mal: Ehrlich gesagt, wie viele 50-Jährige sind noch so aktiv wie mit 20? Wie viele treiben noch die gleichen Sportarten?
Auch Krafttraining kann aus ihrem Alltag verschwinden. Ohne Krafttraining kann man bereits in den 30ern Muskelmasse verlieren, und dieser Prozess beschleunigt sich mit jedem weiteren Jahrzehnt. Wer rastet, der rostet. Wenn Sie genauer wissen möchten, wie Muskelaufbau und Kraftzuwachs tatsächlich zusammenhängen, finden Sie dazu hier eine ausführlichere Erklärung.
Wenn Muskelmasse und andere fettfreie Körpermasse abnehmen, sinkt auch der Ruheumsatz. Und wenn die tägliche Aktivität insgesamt nachlässt, sinkt auch der tägliche Kalorienverbrauch, selbst wenn der Ruheumsatz nicht unabhängig altersbedingt beeinträchtigt ist.
Eine treffendere Beschreibung dessen, was oft im mittleren Lebensalter geschieht, lautet daher: Ihr Lebensstil hat sich möglicherweise stärker verändert als Ihr Stoffwechsel.
Das ist ein wichtiger Unterschied, denn den Lebensstil können wir beeinflussen. Ein praktisches Beispiel dafür ist Freds Fettabbau-Transformation mit 52, bei der er durch konsequente Ernährung, Cardio- und Krafttraining 20 Kilo abnahm und gleichzeitig Muskeldefinition aufbaute.
Warum ein „schneller Stoffwechsel“ oft mit mehr Bewegung zusammenhängt
Ein weiteres faszinierendes Ergebnis der Studie war die enorme Variation des gesamten täglichen Energieverbrauchs zwischen den einzelnen Personen.
Bei Erwachsenen lag der Gesamtenergieverbrauch (TDEE) zwischen etwa 1.900 Kalorien pro Tag und in Extremfällen bis zu 7.000 Kalorien pro Tag. Das entspricht einem Unterschied von mehr als dem Dreifachen.
Man könnte versucht sein, dies damit zu erklären, dass manche Menschen einfach mit einem unglaublich schnellen Stoffwechsel gesegnet sind.
Der Hauptgrund für diese enormen Unterschiede lag jedoch in der körperlichen Aktivität, nicht in den ebenso enormen Unterschieden im Ruheumsatz.
Ein extrem aktiver Ausdauersportler kann täglich eine enorme Anzahl an Kalorien verbrennen. Ein gleichaltriger Büroangestellter mit sitzender Tätigkeit verbrennt hingegen deutlich weniger. Die meisten Menschen liegen natürlich irgendwo dazwischen.
Doch dieser Befund verdeutlicht etwas Wichtiges: Was wie ein „schneller Stoffwechsel“ aussieht, kann manchmal ein sehr aktiver Lebensstil sein.
Das erklärt auch, warum Kalorienempfehlungen, die auf Bevölkerungsdurchschnitten basieren, für Menschen an beiden Extremen irreführend sein können.
Was mit dem Stoffwechsel ab 60 passiert
Die Geschichte ändert sich nach etwa 60 Jahren. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die lange Periode relativer Stoffwechselstabilität zu enden.
Der Gesamtenergieverbrauch pro Tag und der Ruheumsatz beginnen zu sinken, und auch die fettfreie Masse nimmt tendenziell ab.
Ein Teil dieses Rückgangs lässt sich leicht erklären:
Wer weniger Muskelmasse und anderes fettfreies Gewebe besitzt, benötigt weniger Energie.
Wer sich weniger bewegt, verbrennt durch körperliche Aktivität auch weniger Kalorien.
Die Forscher stellten jedoch fest, dass diese Faktoren den gesamten Rückgang nicht erklären konnten.
Ein weiteres faszinierendes Ergebnis war, dass die Stoffwechselaktivität der inneren Organe im höheren Erwachsenenalter abzunehmen scheint.
Organe wie Gehirn und Leber weisen eine hohe Stoffwechselaktivität auf. Die Studie deutete darauf hin, dass der organspezifische Energieverbrauch in dieser späteren Lebensphase geringer war.
Dies bedeutet, dass ab etwa 60 Jahren eine tatsächliche biologische Komponente des sinkenden Energieverbrauchs auftritt, die mit dem Alterungsprozess selbst zusammenhängt.
Dieser Teil liegt nicht vollständig in unserer Hand. Es wäre jedoch ein Fehler, daraus zu schließen, dass nichts getan werden kann.
Wir können zwar nicht jede altersbedingte Veränderung des Energieverbrauchs verhindern, aber wir können dennoch unsere Muskelmasse und unser Aktivitätsniveau beeinflussen – zwei wichtige Faktoren dafür, wie viele Kalorien wir verbrennen.
Haben Frauen einen langsameren Stoffwechsel als Männer?
Eine weitere weit verbreitete Annahme ist, dass Frauen einfach einen langsameren Stoffwechsel haben als Männer. Auf den ersten Blick scheint das zuzutreffen. Männer verbrennen im Allgemeinen mehr Kalorien pro Tag als Frauen.
Aber Männer sind im Durchschnitt auch:
- größer,
- schwerer,
- und haben mehr fettfreie Masse.
Selbst wenn Mann und Frau gleich viel wiegen, hat der Mann typischerweise einen höheren Anteil an fettfreier Masse.
Als die Forscher die fettfreie Masse berücksichtigten, stellten sie keinen signifikanten Unterschied im Energieverbrauch zwischen Männern und Frauen fest.
Mit anderen Worten: Männer verbrennen mehr Kalorien, weil sie einen größeren Körper und mehr stoffwechselaktives Muskelgewebe haben – nicht, weil Männer aufgrund ihres Geschlechts automatisch einen grundsätzlich schnelleren Stoffwechsel haben.
Die Studie fand auch keine Hinweise darauf, dass der Stoffwechsel von Frauen früher zu sinken beginnt als der von Männern oder dass er mit zunehmendem Alter schneller abnimmt, nachdem Unterschiede in der Körpergröße und der fettfreien Masse berücksichtigt wurden.
Das ist ein weiterer weit verbreiteter Stoffwechselmythos, der endlich widerlegt werden sollte.
Wechseljahre und Gewichtszunahme: Welche Rolle spielt der Stoffwechsel?
Frauen in ihren 40ern und 50ern können im Zusammenhang mit den Wechseljahren mit sehr realen Herausforderungen konfrontiert sein.
Zu den Veränderungen können gesteigerter Appetit, Müdigkeit, verminderte körperliche Aktivität und Schlafstörungen gehören. Auch die Fettverteilung im Körper kann sich verändern, beispielsweise durch eine stärkere Tendenz zur Speicherung von Bauchfett. (Vor den Wechseljahren speichern die meisten Frauen mehr Fett an Hüften und Oberschenkeln.)
Diese Veränderungen können die Gewichtskontrolle tatsächlich erschweren. Das ist aber etwas anderes, als zu behaupten, der Stoffwechsel einer Frau verlangsame sich automatisch, nur weil sie ins mittlere Alter kommt.
Diese Unterscheidung ist wichtig, denn wenn Veränderungen des Appetits, der Aktivität, der Muskelmasse und des Lebensstils zu einer Gewichtszunahme beitragen, bieten diese Faktoren konkrete Ansatzpunkte für Veränderungen.
Muskeln sind wichtig – aber Bewegung auch
Eines der deutlichsten Ergebnisse der Studie war der Zusammenhang zwischen fettfreier Masse und Energieverbrauch.
Menschen mit mehr fettfreier Masse verbrauchen im Allgemeinen mehr Energie. Das ist ein weiterer Grund, warum der Muskelerhalt im Alter Priorität haben sollte. Wer mit dem Krafttraining aufhört, inaktiv wird und Muskelmasse verliert, dessen Energieverbrauch kann sinken.
Der Erhalt der Muskelmasse trägt dazu bei, metabolisch aktives Gewebe zu bewahren. Wie groß dieser Effekt tatsächlich ist und wie viele Kalorien Muskelmasse tatsächlich verbraucht, erklären wir in einem eigenen Artikel.
Dies ist besonders wichtig während einer Fettreduktionsphase. Eine Diät ohne Krafttraining kann das Risiko erhöhen, neben Fett auch Muskelmasse zu verlieren.
Der Erhalt der Muskelmasse trägt somit dazu bei, das bereits vorhandene metabolisch aktive Gewebe zu bewahren.
Doch die Muskulatur ist nur ein Teil des Ganzen. Tägliche Aktivitäten können enorme Unterschiede im Gesamtkalorienverbrauch bewirken.
Die beste Strategie ist nicht einfach „Muskeln aufbauen, um den Stoffwechsel anzukurbeln“.
Ziel ist es, so viel fettfreie Masse wie realistisch möglich zu erhalten und gleichzeitig einen aktiven Lebensstil zu führen.
Was Sie mit 40, 50, 60 und darüber hinaus beeinflussen können
Diese Studie liefert uns zwei unterschiedliche Botschaften, je nach Alter.
Vor 60
Viele der Veränderungen, die man dem alternden Stoffwechsel zuschreibt, könnten in Wirklichkeit Folgendes widerspiegeln:
- Verringerte körperliche Aktivität
- Weniger Krafttraining
- Verlust an fettfreier Körpermasse
- Allmähliche Veränderungen der Essgewohnheiten (größere Nahrungsmengen, geringere Qualität der Ernährung)
Diese Faktoren liegen weitgehend in Ihrer Hand.
Wenn Sie weiterhin Krafttraining betreiben, körperlich aktiv bleiben und eine allmähliche Gewichtszunahme über die Jahre vermeiden, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass Ihre 40er oder 50er Jahre automatisch einen starken Rückgang des Stoffwechsels mit sich bringen müssen.
Nach 60
In diesem Stadium wird ein tatsächlicher altersbedingter Rückgang des Energieverbrauchs messbar.
Wir können solche biologischen Veränderungen nicht vollständig verhindern. Aber wir können beeinflussen, wie viel Muskelmasse wir behalten und wie körperlich aktiv wir bleiben.
Das bedeutet, dass wir vermeiden können, zu dem geringeren biologischen Rückgang, der mit dem höheren Alter einhergeht, noch einen starken, lebensstilbedingten Rückgang des Energieverbrauchs hinzukommen zu lassen.
Und Krafttraining bleibt auch im höheren Alter wichtig. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt Lindas Körpertransformation mit 60: Mit gezielter Ernährung und regelmäßigem Krafttraining baute sie Fett ab und entwickelte sichtbar mehr Muskeldefinition.
Männer und Frauen können auch weit über das mittlere Alter hinaus Muskeln und Kraft erhalten – und in vielen Fällen sogar aufbauen.
Diese Ergebnisse decken sich mit meinen jahrzehntelangen Beobachtungen im natürlichen Bodybuilding. Männer und Frauen weit über 40, 50 und sogar 60 können beeindruckende Muskelmasse, Kraft und einen niedrigen Körperfettanteil bewahren, wenn sie konsequent trainieren. Auch Bills Gewichtsverlust mit 76 Jahren zeigt, wie viel selbst im höheren Alter noch möglich ist: Trotz Verletzungen und eingeschränktem Cardio verlor er in 12 Wochen 14,5 Kilo und setzte weiterhin auf Krafttraining.
Das Altern spielt eine Rolle, insbesondere in den späteren Lebensjahrzehnten. Aber es ist nur ein Teil der Gleichung.
Fazit: Der Stoffwechsel im Alter ist beeinflussbarer, als viele denken
Wenn es Ihnen mit 40 oder 50 Jahren schwerer fällt, Ihr Gewicht zu halten als in jüngeren Jahren, dann könnte die Veränderung, die Sie erleben, sehr real sein.
Die Beweislage deutet jedoch darauf hin, dass das chronologische Altern selbst wahrscheinlich nicht der Hauptgrund dafür ist, dass Ihr Energieverbrauch im mittleren Lebensalter gesunken ist.
Im größten Teil des Erwachsenenalters ist der Stoffwechsel weitaus stabiler, als die meisten Menschen glauben.
Veränderungen der körperlichen Aktivität, der Muskelmasse, der Essgewohnheiten und des Lebensstils können einen Großteil dessen erklären, was im mittleren Lebensalter dem „langsamen Stoffwechsel“ zugeschrieben wird.
Ab etwa 60 Jahren trägt das Alter zunehmend direkter zum sinkenden Energieverbrauch bei. Doch selbst dann besteht kein Grund zur Resignation.
Man kann das Altern nicht aufhalten.
Sie können aber weiterhin Krafttraining machen, so viel Muskelmasse wie möglich erhalten, körperlich aktiv bleiben und vermeiden, den später einsetzenden biologischen Veränderungen noch einen unnötigen, lebensstilbedingten Rückgang des Energieverbrauchs hinzuzufügen.
In jedem Alter lohnt es sich, diese Faktoren im Blick zu behalten.
Möchten Sie Stoffwechsel, Kalorienverbrauch und Fettabbau noch besser verstehen?
In Weniger Fett, Mehr Muskeln erkläre ich ausführlich, wie Stoffwechsel, Energiebilanz, Ernährung und Training zusammenwirken – und wie Sie diese Prinzipien nutzen können, um Fett abzubauen und gleichzeitig Muskelmasse zu erhalten oder aufzubauen.
Hart trainieren. Erfolg erwarten.
Ihr Coach,
Tom Venuto
Über Tom Venuto
Tom Venuto ist ein Bodybuilding- und Fettabbau-Coach mit über 35 Jahren Berufserfahrung. Er hat einen Abschluss in Sportwissenschaft und hat bereits Hunderte von Klienten persönlich betreut.
Als Rezeptentwickler liegt sein Schwerpunkt auf fettverbrennenden, muskelaufbauenden Gerichten auf Basis natürlicher Lebensmittel. Als ehemaliger Natural-Wettkampfbodybuilder arbeitet Tom heute hauptberuflich als Autor, Blogger und Fachautor im Bereich evidenzbasierter Fitness.
Sein Buch Burn the Fat, Feed the Muscle ist seit 2003 ein internationaler Bestseller und wird weiterhin in gedruckter Form von Penguin Random House veröffentlicht. Die aktualisierte, überarbeitete deutsche E-Book-Ausgabe Weniger Fett, Mehr Muskeln ist exklusiv auf dieser Website erhältlich.
Tom ist außerdem Gründer des „Burn the Fat Inner Circle“, einer englischsprachigen Fitness-Support-Community, die seit 2006 besteht und weltweit über 53.000 Mitglieder zählt. Für seine deutschsprachigen Veröffentlichungen arbeitet er eng mit einem Schweizer Redaktions- und Übersetzungspartner zusammen. So wird sichergestellt, dass sein wissenschaftlich fundierter und praxisorientierter Ansatz im Deutschen präzise und natürlich vermittelt wird. Der Originalbeitrag zu diesem Artikel stammt von Tom Venuto; die deutschsprachige Fassung wurde redaktionell übersetzt und angepasst.
Wissenschaftliche Referenz
Pontzer H, et al. Daily energy expenditure through the human life course. Science. 2021;373(6556):808–812.